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Bleistift spitzen: So rechnet sich die Traktormiete für Ihren Betrieb.

 Bleistift spitzen: So rechnet sich die Traktormiete für Ihren Betrieb.

Traktoren sind für jeden landwirtschaftlichen Betrieb ein großer Kostenfaktor. Bei der Frage, ob sich der Kauf eines Traktors lohnt oder ob doch eher eine Anmietung rentabler ist, sollten Sie kühlen Kopf behalten, rechnen und die Zahlen sprechen lassen – einmal ganz unabhängig von anderen Faktoren pro oder contra einer Traktormiete. Unsere folgende Beispielrechnung soll Ihnen helfen, dann mit den echten Zahlen für Ihren Betrieb eine Entscheidung zu finden. Worauf kommt es also an? Los geht’s:

Die Auslastung eines Traktors ist entscheidend.

Die Anschaffung eines Traktors macht im landwirtschaftlichen Betrieb in der Regel einen großen Anteil der Gesamtmaschinenkosten aus. Dementsprechend hoch ist die Auswirkung auf den betriebswirtschaftlichen Erfolg. Denn nur, wenn ein Traktor im Jahr mit einer Mindestzahl an Betriebsstunden ausgelastet wird, rechnet sich die Eigenmechanisierung auf lange Sicht. Wird diese Mindestnutzung nicht erreicht, können mit Miettraktoren erhebliche Kosteneinsparungen erzielt werden.

Kostenberechnung für Eigenmechanisierung:

Um die beiden Alternativen Kauf und Miete zu vergleichen, sollte man die Kosten für die Eigenmechanisierung ehrlich berechnen. Zu unterscheiden sind hier grundsätzlich:

Fixe Kosten – jährlich anfallende Kosten in gleicher Höhe

Variable Kosten – pro Betriebsstunde anfallende Kosten

Die fixen oder festen Kosten einer Maschine sind über die gesamte Nutzungsdauer jedes Jahr gleich. Sie fallen unabhängig von den tatsächlichen Betriebsstunden an. Zu ihnen gehören die Anschaffungskosten bzw. Abschreibung, Zinskosten, Kosten für Versicherung und Steuern sowie Unterbringung.

Die variablen Kosten beinhalten die Kosten für Treibstoff, Schmierstoffe, Betriebsmittel sowie Wartung und Reparaturen.

Alternative 1 – Beispielrechnung Eigenmechanisierung

Beispieltraktor:

– Anschaffungskosten netto 150.000 Euro

– Restwert angesetzt mit 20.000 Euro

– Nutzungsdauer angesetzt mit 13 Jahren

Fixkosten pro Jahr:

Abschreibung: (150.000 € – 20.000 €) : 13 Jahre = 10.000 Euro/Jahr

+ Zinsen bei Zinssatz 3 %: (150.000 € + 20.000 €) : 2 x 0,03 = 2.550 Euro/Jahr

+ Versicherung, Steuern, Unterbringung ca. 2 % der Anschaffungskosten:

150.000 x 0,02 = 3.000 Euro/Jahr

= 15.550 Euro/Jahr Fixkosten

Variable Kosten pro Betriebsstunde:

Treibstoffkosten Annahme ca.: 11 Euro

+ Betriebsstoffe, Wartung ca.: 4 Euro

= 15 Euro/Betriebsstunde variable Kosten

Berechnung für 400 Betriebsstunden / Jahr:

Fixkosten auf 400 Stunden: 15.550 Euro : 400 Stunden = 38,88 Euro

+ variable Kosten: 15 Euro

= Kosten pro Stunde: 38,88 Euro + 15 Euro = 53,88 Euro

Gesamtkosten pro Jahr:

15.550 Euro Fixkosten + 400 x 15 Euro/Stunde variable Kosten = 21.550 Euro

Alternative 2 – Beispielrechnung Miettraktor

Die wesentlichen Faktoren zur Berechnung der Mietkosten für einen Traktor sind:

Art des Traktors bzw. die PS-Klasse

Gewünschte zusätzliche Ausstattung

Dauer der Anmietung

Über die Anmietungsvereinbarung hinausgehende Betriebsstunden

Versicherung

Ein mit dem oben aufgeführten Beispiel zur Eigenmechanisierung vergleichbarer Miettraktor könnte angesetzt werden mit etwa

Kosten pro Stunde: 45 Euro

In diesem Fall würde sich auf 400 Betriebsstunden folgende Berechnung ergeben:

Miettraktor: 45 Euro/Stunde x 400 Stunden/Jahr = 18.000 Euro/Jahr

Gesamtkostenvergleich: Miettraktor versus Eigenmechanisierung

Mit Annahme der Werte für unseren Beispieltraktor kommt es zu folgendem Ergebnis:

400 Betriebsstunden:

Miettraktor: 18.000 Euro/Jahr

eigener Traktor: 21.550 Euro/Jahr

Bei 400 Betriebsstunden lohnt sich der Miettraktor:

3.550 Euro/Jahr Ersparnis durch den Miettraktor.

600 Betriebsstunden:

Miettraktor: 27.000 Euro/Jahr

eigener Traktor: 24.550 Euro/Jahr

Bei 600 Betriebsstunden lohnt sich der eigene Traktor:

= 2.450 Euro/Jahr Ersparnis durch den eigenen Traktor.

Ein eigener Traktor lohnt sich also erst ab einer bestimmten Anzahl von Mindestbetriebsstunden!

Diese können Sie wie folgt berechnen:

Mindestbetriebsstunden =

Eigene Fixkosten pro Jahr / (Miete Euro/Stunde – variable Kosten Euro/Stunde)

Im Beispiel:

= 15.550 Euro/Jahr / (45 Euro/Stunde – 15 Euro/Stunde) = ca. 519 Stunden/Jahr

519 Betriebsstunden:

Miettraktor: 23.355 Euro/Jahr

eigener Traktor: 23.335 Euro/Jahr

Erst bei mindestens 519 Betriebsstunden im Jahr lohnt sich die Anschaffung unseres Beispieltraktors im Vergleich zur Traktormiete.

Berechnen Sie für Ihren Betrieb, wann sich die Traktormiete lohnt!

In unserem Beispiel haben wir natürlich mit pauschalen Werten gerechnet, die Sie selbstverständlich für Ihren Betrieb individuell anpassen müssen – vom selbst ausgehandelten Anschaffungspreis über die Höhe der Zinsen bis hin zur persönlichen Annahme, wie lange ein Traktor genutzt werden kann.

Auch die variablen Kosten können schwanken: Dieselpreise verändern sich regelmäßig und wer Wartung und Reparatur selbst erledigt, kann dort Kosten sparen. Doch vergessen Sie dann nicht, auch ihre eigene investierte Zeit anzusetzen – die ist schließlich auch jede Menge wert!

Nicht berücksichtigt sind in der „harten Kostenrechnung“ natürlich auch die anderen „weichen Faktoren“: Einerseits ist zum Beispiel Organisationszeit für den Miettraktor, andererseits aber der aktuellere technische Stand eines Miettraktors im Vergleich zum irgendwann in die Jahre gekommenen eigene Traktor. Schauen Sie sich daher auch noch einmal Vorteile der Traktormiete in der Übersicht an.

Und dann: Viel Spaß beim Rechnen!