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Erträge steigern, Kosten senken: Reifendruck und Regelanlagen als Erfolgsfaktoren im landwirtschaftlichen Betrieb.

 Erträge steigern, Kosten senken: Reifendruck und Regelanlagen als Erfolgsfaktoren im landwirtschaftlichen Betrieb.

Wie einfach ist doch das Leben als Autofahrer, wenn es um das Thema Reifendruck geht: Ran an die Tankstelle, Reifendruck wie vom Hersteller empfohlen kontrollieren und anpassen – und schon geht’s mit Vollgas weiter. Aber, Moment – war da nicht doch etwas mehr zu beachten? Zum Beispiel bei voller Zuladung oder langen Autobahnfahrten? – Nun, Autobahnfahrten werden wir mit unseren Traktoren bestimmt nicht herunterspulen – aber der richtige Reifendruck sollte für Sie als Landwirt unbedingt ein ganz wichtiges Thema sein!

Denn die Problematik rund um den Reifendruck, die man als Autofahrer nur ansatzweise erkennt, ist in der Landwirtschaft für uns alle tagtäglich gegenwärtig: Sei es beim Fahren auf verschiedenen Untergründen und Bodenbeschaffenheiten, beim Transport von unterschiedlichsten Lasten oder generell im Hinblick auf die höchste Anforderungen an die Kraftübertragung. Lesen Sie weiter und Sie finden hier viele interessante Informationen rund um den Reifendruck und moderne Reifendruckregelanlagen, damit auch in Ihrem landwirtschaftlichen Betrieb alles rund läuft!

Warum ist der Reifendruck eine wichtige Stellschraube in Ihrem landwirtschaftlichen Betrieb?

Die in der Landwirtschaft eingesetzten Traktoren, Arbeits- und Transportmaschinen werden tendenziell immer leistungsstärker, aber auch größer und schwerer. Durch ständige Verbesserungen und den Einsatz von moderner Automatisierung und intelligenten System, zum Beispiel GPS-Steuerung, ist gleichzeitig eine höchste Präzision im Zusammenwirken aller technischen Komponenten erforderlich. Nur so ist die beabsichtigte Steigerung der Effizienz im täglichen Einsatz auch tatsächlich zu erreichen. Arbeiten einzelne Systeme oder Baugruppen nicht optimal, hat dies Auswirkungen auf die gesamte Effizienz des Einsatzes – und damit auch unmittelbar auf die Wirtschaftlichkeit Ihres landwirtschaftlichen Betriebs. Der richtige Reifendruck zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist daher eine von vielen Stellschrauben, die Ihrem Betrieb zu mehr Erfolg und Schlagkraft im Wettbewerb verhelfen.

Welche Herausforderungen stellen sich den Reifen im landwirtschaftlichen Betrieb?

Bevor man sich dem Thema Reifendruck direkt nähert, sollten zunächst die besonderen Herausforderungen an die Reifen im landwirtschaftlichen Betrieb noch einmal herausgestellt werden:

Höchste Belastungen

Einerseits sind die Reifen im landwirtschaftlichen Betrieb regelmäßig höchsten mechanischen Belastungen ausgesetzt, denen sie zuverlässig standhalten müssen. Sie sollen die hohen Eigengewichte von Traktoren und Maschinen ebenso bewältigen wie schwere Transportladungen. Weiterhin verfügen die Traktoren heute über eine enorme Leistungsstärke, die sie als Zugmaschine auf die Straße oder den Acker bringen. Auch hier sind die Reifen maximal gefordert.

Empfindliche Böden

Andererseits stellt sich in der Landwirtschaft immer wieder die Frage nach der Bodenverdichtung durch das Gewicht der eingesetzten Maschinen. Denn eine hohe Bodenverdichtung bringt in der Regel drei Probleme mit sich: die Verschlechterung der Wasserabfuhr, die Verringerung des Grob- und Mittelporenanteils im Boden und nachfolgend die Beeinträchtigung der Nährstoffverfügbarkeit.

Das Interessante: Diese beiden wesentlichen Herausforderungen, die durch die Reifen erfüllt werden müssen, hängen unmittelbar mit dem richtigen Reifendruck zusammen!

Was die Belastbarkeit angeht, sind die Reifen durch die Hersteller in der Regel grundsätzlich auf die hohen Anforderungen ausgelegt. Der richtige Reifendruck ist hier grundsätzlich entscheidend, um die Funktionalität sicherzustellen, Dieselverbrauch zu minimieren und erhöhten Verschleiß oder sogar Schäden an den Reifen zu verhindern.

Im Hinblick auf die Böden kommt dem Reifendruck ebenfalls eine ganz wichtige Bedeutung zu, denn ein geringerer Reifendruck vermindert auch den Bodendruck. So wird auf dem Acker eine zu starke Bodenverdichtung vermieden, was sich wiederum positiv auf Ihre Erträge auswirkt.

Das Wissen um den richtigen Reifendruck macht sich also in vielerlei Hinsicht bezahlt!

Reifendruckregelung oder breitere und höhere Reifen?

Natürlich sind die Auswirkungen von zu starkem Bodendruck auf die Erträge keine wirklich neuen Erkenntnisse. Schon früh wurde der Nutzen von breiteren Reifen erkannt, um den Boden zu schonen. Warum sollte man also jetzt gezielt auf den Reifendruck setzen? Aus zwei Gründen:

Veränderter Reifendruck ist auf dem Acker im Vergleich effektiver als eine breitere Bereifung.

Reifendruckregelungsanlagen und modernste Reifentechnologie ermöglichen es heute, den Druck schnell zu verändern.

100 % mehr Aufstandsfläche durch geringeren Reifendruck.

Geringerer Reifendruck führt zu einem deutlich niedrigeren Bodendruck trotz hoher Lasten, denn die Aufstandsfläche eines weniger gefüllten Reifens vergrößert sich erheblich. So wird der Druck durch das auf den Boden wirkende Gewicht des Geräts auf eine größere Fläche verteilt.

Berechnungen und praktische Tests zeigen die Wirksamkeit:

• Halbiert man zum Beispiel bei einen Reifen 600/65 R38 den Reifendruck von 1,6 bar auf 0,8 bar, vergrößert sich die Aufstandsfläche um etwa 100 %.

• Wählt man dagegen stattdessen einen breiteren Reifen 650/65 R38 und belässt den Druck auf 1,6 bar, vergrößerte sich die Aufstandsfläche nur um etwa 10 %!

Während also ein breiterer Reifen die Aufstandsfläche bei gleichem Reifendruck nur an den Seiten etwas vergrößert, hat der niedrigerer Luftdruck eine ganz andere Wirkung: „Der Reifen macht sich lang“ – die Aufstandsfläche vergrößert sich entlang der Fahrtrichtung. Diese Vergrößerung der Aufstandsfläche hat noch einen weiteren positiven Effekt: Es können mehr Stollen in den Boden greifen, was die Traktion verbessert und den Schlupf verringert.

Die Veränderung des Reifendrucks ist also eine deutlich effektivere Maßnahme als der Umstieg auf breitere Reifen. Natürlich können heute beide Möglichkeiten auf dem Acker auch in Kombination praktiziert werden, indem man auf breitere Bereifung und intelligente Reifendruckregelungsanlagen setzt.

Die folgende Grafik verdeutlicht die Wirkung:

 

Warum ist Reifendruck für die Bodenschonung so entscheidend?

Grundsätzlich führt jede Fahrt auf dem Acker zu einer mechanischen Bodenbelastung durch die Radlast und den Kontaktflächendruck. Dieser Bodendruck hat zur Folge, dass sich der Boden verdichtet. Dabei nimmt der Anteil der Grobporen und Mittelporen ab, während mehr Feinporen entstehen. Insgesamt verringert sich das Porenvolumen und die Luftkapazität des Bodens nimmt ab. Die so veränderte Konsistenz des Bodens führt wiederum zu einer schlechteren Wasserabfuhr und beeinträchtigt die Nährstoffverfügbarkeit für die Pflanzen.

Damit hat die mechanische Bodenbelastung durch Ihre Geräte eine direkte Auswirkung auf Ihren Ertrag und die Wirtschaftlichkeit Ihres Betriebs!

Es gilt also, die Bodenbelastung durch die Traktoren, Maschinen und Anhänger so gering wie möglich zu halten, um die Erträge nicht zu gefährden: Mit niedrigerem Reifendruck!

Reifendruck senken, Erträge steigern!

Wie wirkt eine Senkung des Reifendrucks auf den Boden? Die Aufstandsfläche des Reifens vergrößert sich, wie schon beschrieben. Dadurch wird der Kontaktflächendruck durch die Radlast entscheidend verringert. Es entsteht eine breitere und viel flachere „Druckzwiebel“ durch den Reifen.

Die Konsistenz des Bodens wird so viel weniger verändert, als bei großem Bodendruck auf eine kleine Fläche. Die Grob- und Mittelporen bleiben in weit größerem Maße erhalten. Die Wasserabfuhr bleibt gut und einer Nährstoffarmut der Pflanzen wird vorgebeugt. Ein geringerer Reifendruck sorgt damit ganz einfach für höhere Erträge!

Die geringere Bodenbelastung wird durch die veränderte „Druckzwiebel“ deutlich:

 

Welche Auswirkung hat der Reifendruck auf den Dieselverbrauch?

Neben dem positiven Effekt für die Bodenschonung und die Erträge gilt es beim Reifendruck einen weiteren wichtigen Punkt zu beachten: Der Reifendruck hat unmittelbare Auswirkung auf den Dieselverbrauch – und nimmt damit noch durch einen zweiten Faktor starken Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit Ihres Betriebs.

Bei diesem Aspekt muss natürlich zwischen den Fahrten auf dem Acker und auf Straßen unterschieden werden, denn hier sind die Anforderungen und Auswirkungen des Reifendrucks im Prinzip völlig entgegengesetzt. Häufig wird jedoch noch mit einem konstatnten „Kompromissdruck“ gefahren, wenn keine Reifendruckregelanlage installiert ist. Meistens liegt dieser bei etwa 1,6 bar – doch das ist für die Straße zu wenig und für den Acker zu viel!

Höherer Luftdruck bei Straßenfahrten

Auf der Straße ist ein höherer Reifendruck notwendig, um einen optimalen Betrieb zu gewährleisten. Dabei können nicht nur bis zu 20 % Kraftstoff gespart werden, sondern auch der Verschleiß am Reifen wird vermindert. Außerdem können durch den richtigen Reifendruck das Bremsverhalten, die Fahrsicherheit sowie der Fahrkomfort verbessert werden.

Niedrigerer Druck auf dem Acker

Auf dem Acker geht es darum, die Zugleistung zu optimieren. Durch einen niedrigeren Reifendruck wird die Aufstandsfläche vergrößert und es können mehr Reifenstollen in den Boden greifen. So wird mehr Drehmoment am Rad übertragen, was die Flächenleistung steigert. Weiterhin wird Kraftstoff gespart, da die Reifen eine geringere Spurtiefe verursachen („Bulldozing-Effekt“) und der Schlupf verringert wird. Auch hier können durch den angepassten Reifendruck bis zu 20 % Kraftstoff gespart werden.

Das Problem in der Praxis ist natürlich der häufige Wechsel zwischen den Einsatzarten: Gerade für Betriebe mit kleinen Flächenstrukturen oder mit längeren Wegstecken bis zum Acker sowie zwischen den Feldern macht sich dann eine Reifendruckregelanlage über die mögliche Kraftstoffersparnis bezahlt.

Dass sich der Kraftstoffverbrauch über eine Reifendruckregelanlage tatsächlich stark beeinflussen und verringern lässt, zeigt auch eine Dieselverbrauchsmessung mit einem Mähdrescher mit bereifter Lenktriebachse.

Welche Schäden können am Reifen durch falschen Luftdruck entstehen?

Die im landwirtschaftlichen Betrieb eingesetzten Reifen müssen höchsten Belastungen standhalten. Ein weiterer Grund, nicht nur auf Kompromissdruck zu setzen, sondern den Reifendruck über eine Reifendruckregelanlage an die Anforderungen anzupassen, sind daher mögliche Schäden an den Reifen.

Die häufigsten Schäden durch falschen Reifendruck sind:

• Quetschfalten unterhalb der Profilstollen sowie Brüche in den Schulterzonen zwischen den Stollen durch Überlastung und nicht angepassten Reifendruck.

• Stärkere Abnutzung an der Innen- und Außenschulter der Lauffläche als in der Mitte durch zu niedrigen Luftdruck.

• Brüche in der Schulterzone des Reifens durch Übertragung von zu hohen Zugkräften in Verbindung mit nicht angepasstem Reifendruck.

• Gummiabrieb durch Scheuern zwischen Reifenwulstkehle und Felgenhorn bei zu geringen Reifendruck.

• Schnitte und Kratzer auf den Laufflächen durch zu hohen Reifendruck und Antriebsschlupf.

Auch hier zeigt sich, dass sich der richtige Reifendruck positiv auf die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes auswirken kann, indem Kosten durch vorzeitigen Verschleiß und Ersatz von Reifen gespart werden.

Reifendruck regeln – aber schnell!

Bodendruck vermindern, Erträge steigern, Kraftstoff sparen, Verschleiß verringern: Es sprechen in der Tat viele gute Gründe für eine optimale Anpassung des Reifendrucks im landwirtschaftlichen Betrieb. Knackpunkt ist allerdings die praktische Umsetzung im Alltag: Ohne eine leistungsfähige Reifendruckregelanlage am Fahrzeug musste man sich als Landwirt meist mit dem Kompromissdruck zufrieden geben. Während die Ablasszeiten nie das große Problem darstellten, sind die Befüllzeiten dagegen je nach Bedarf sehr zeitraubend.

Doch hier hat sich in den letzten Jahren viel getan: Eine moderne Reifendruckregelanlage wie die CLAAS PROFI ist in der Lage, bei einem Traktor den Reifendruck von 0,8 auf 1,8 bar in nur 1 Minute und 20 Sekunden zu erhöhen. Die Anlage ist an Fahrzeugen für Transport- und Ackerarbeiten einsetzbar. Sie funktioniert über Drehdurchführungen mit integriertem Rad-, Befüll- und Ablassventil sowie Drucksensor an jedem Rad. Dabei werden die Dichtungen der Drehdurchführung nur beim Druckwechsel belastet. Der hydraulisch angetriebene Schraubenkompressor mit Load Sensing (LS) erreicht ein Fördervolumen von 2.800 Liter pro Minute. Mit dieser Technik sind viele schnelle Druckwechsel pro Tag ohne großen Zeitverlust möglich.

Reifendruckregelanlagen liefern echten Mehrwert.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass der Reifendruck eine ganz wichtige Stellschraube für Sie als Landwirt ist. Doch damit Sie an dieser Schraube auch so drehen können, dass sich die Effizienz Ihres Betriebs nachhaltig steigert, sind moderne Reifendruckregelanlagen ein Muss. Nur so können Sie alle Vorteile und Mehrwerte voll ausnutzen – von der Bodenschonung und Ertragssteigerung über die Zugleistungsoptimierung und Verschleißsenkung bis hin zur Dieseleinsparung und höheren Fahrsicherheit. Im Überblick haben wir hier die Vorteile der Reifendruckregelanlagen noch einmal für Sie zusammengefasst.

Rechnet sich eine Reifendruckregelanlage auch für Ihren Betrieb?

Wie bei allen Investitionen sollte auch bei der Reifendruckregelanlage genau kalkuliert werden, ob sich zum Beispiel die Nachrüstung für Ihren Betrieb rechnet. Grundsätzlich führt jedoch am niedrigen Ackerdruck langfristig kein Weg vorbei – die Vorteile durch Bodenschonung, mehr Traktion und geringeren Dieselverbrauch gegenüber dem Kompromissdruck sind eindeutig. Unterm Strich gibt es hier eine echte Erfolgsgleichung für den Acker:

Weniger Reifendruck = geringerer Bodendruck = höhere Zugkraft = weniger Schlupf = geringerer Spritverbrauch

Abzuwägen bleibt daher, wie oft und wie lange die Fahrzeuge auch auf der Straße unterwegs sind. Dass Sie als Landwirt immer gleich vom Hof auf den Acker kommen und alle anderen Flächen auch noch direkt zusammenhängen, wird nur in Einzelfällen möglich sein.

Reifendruck regeln, Vorteile nutzen!

Informieren Sie sich regelmäßig über den technischen Stand moderner Reifendruckregelanlagen, denn ob Schlepper, Maschine oder Anhänger: die Vorteile können sich für Ihren Betrieb wirklich auszahlen!